Ende Juni tritt der langjährige Chief Category Management (CCM), Roland Wüthrich, von seinem Direktorenposten zurück. Bis Ende Jahr steht er seinem Nachfolger, Damir Miklec, noch für ausgesuchte Projekte beratend zur Seite. Anschliessend geht er am 31. Dezember 2026 nach 32 Jahren bei der HGC in den wohlverdienten Ruhestand. In einem lockeren Gespräch zeigen die beiden auf, wann und wie die Stabübergabe erfolgt und wohin die Reise im Category Management künftig führen wird.
Roland Wüthrich: Damir, herzliche Gratulation zu deiner Beförderung. Weisst du eigentlich, was du dir mit meiner Nachfolge aufgebürdet hast?
Damir Miklec: (Lacht) Danke Roland für deine Gratulation. Ich glaube, eine gewisse Ahnung habe ich schon, und genau das macht die Aufgabe ja auch so spannend.
In den letzten Jahren durfte ich hautnah miterleben, wie vielfältig und anspruchsvoll das Category Management bei der HGC ist. Von daher weiss ich, dass da viel Verantwortung auf mich zukommt. Und ich trete natürlich auch in grosse Fussstapfen.
Du hast das Category Management bei der HGC aufgebaut und über viele Jahre erfolgreich geführt. Das geniesst im Unternehmen grossen Respekt. Insofern ist mir sehr bewusst, dass ich hier ein starkes Fundament übernehmen darf, und ich sehe es als grosse Motivation, es gemeinsam mit dem Team weiterzuentwickeln.
RW: Wie und wann bist du eigentlich zur HGC gekommen?
DM: Zur HGC bin ich im April 2022 gekommen. Ich arbeitete damals bereits im Category Management bei einem Mitbewerber im Baustoffhandel und kannte die Branche.
Die HGC hat mich sofort angesprochen: Einerseits wegen ihrer starken Marktstellung und ihrer langen Tradition, andererseits wegen der klaren Ambition, sich auch im Category Management weiterzuentwickeln – etwa in Richtung Digitalisierung und Aufbau von neuen Geschäftsfeldern. Diese Mischung aus Bodenständigkeit und Zukunftsorientierung fand ich sehr attraktiv.
RW: Du warst vorher schon im Einkauf bei anderen Firmen tätig. Welche waren das und was hast du aus dieser Zeit für deine Arbeit im Category Management der HGC mitnehmen können?
DM: Ich war mehrere Jahre im Einkauf und Category Management bei führenden Unternehmen im Retail- und Baustoffhandel tätig und konnte dort umfassende Erfahrungen in der strategischen Sortimentsplanung, der Markenentwicklung und im Lieferantenmanagement sammeln.
Besonders prägend war für mich die enge Zusammenarbeit zwischen Einkauf, Category Management und Vertrieb, um Sortimente konsequent an Kundenbedürfnisse anzupassen. Auf Basis von Datenanalysen und nachhaltigen Lieferantenpartnerschaften wurden Sortimente erfolgreich optimiert.
Diese Erfahrungen durften wir als Team gewinnbringend in die Category-Strategie bei der HGC einbringen. Wir wollen unsere Sortimente kundenorientiert gestalten, unsere Vertriebskanäle effektiv nutzen und gleichzeitig wirtschaftlichen Mehrwert für die HGC und ihre Genossenschafterinnen und Genossenschafter zu schaffen.
RW: Du leitest in der HGC noch bis im Sommer das Category Management Shop (CM Shop). Wie hat sich dieser Bereich unter deiner Leitung entwickelt, und was waren für dich und dein Team bisher die grössten Herausforderungen?
DM: Der Bereich Category Management Shop hat sich in den letzten Jahren sehr dynamisch entwickelt. Gemeinsam haben mein Team und ich die Sortimentsstrukturen geschärft, die Zusammenarbeit mit Lieferanten weiter professionalisiert und viele Prozesse klarer und effizienter gestaltet. Gleichzeitig haben wir auch neue Sortimente eingeführt sowie neue Geschäftsfelder aufgebaut und weiterentwickelt, etwa im Bereich Miet- und Bauservice.
Die grösste Herausforderung war – und ist – dabei immer, die Balance zu finden: zwischen operativem Tagesgeschäft und strategischer Weiterentwicklung, zwischen unterschiedlichen Interessen und Anforderungen. Ich bin aber sehr stolz auf das Team, weil wir diese Herausforderungen gemeinsam sehr gut gemeistert haben.
RW: Du hast nun nach vier Jahren den Sprung vom Leiter CM Shop in die Direktion geschafft. Was denkst du hat den Ausschlag gegeben, dass der Verwaltungsrat und die Direktion dir das Vertrauen geschenkt haben und dich zum neuen Chief Category Management gewählt haben?
DM: Am Ende ist es immer eine Mischung aus verschiedenen Faktoren und Kompetenzen. Category Management funktioniert nur im Team. Wenn es mir gelingt, Menschen mitzunehmen, so dass wir gemeinsam attraktive Angebote für unsere Kunden entwickeln und dabei verbindlich und transparent bleiben, stärkt das automatisch das Vertrauen von Verwaltungsrat und Direktion.
RW: Worauf freust du dich besonders im neuen Job?
DM: Ich freue mich darauf, gemeinsam mit meinen Mitarbeitenden und Kolleginnen und Kollegen sowie mit der Direktion und den Geschäftspartnern unsere Sortimente und Dienstleistungen kontinuierlich unter Berücksichtigung der Bedürfnisse unserer Kunden weiterzuentwickeln.
Dabei steht unsere Mission «Wir machen das Bauen einfach und effizient» im Mittelpunkt. Mein Ziel ist es, attraktive Angebote zu schaffen und die Prozesse wirtschaftlich zu gestalten. So können wir die Kundenzufriedenheit steigern, die Marktposition der HGC nachhaltig festigen und sicherstellen, dass wir auch in Zukunft erfolgreich am Markt agieren.
RW: Und wovor hast du Respekt?
DM: Respekt habe ich vor der Verantwortung für unsere Mitarbeitenden und Genossenschafterinnen und Genossenschafter, die mit dieser Rolle verbunden ist. Das Category Management hat einen grossen Einfluss auf den wirtschaftlichen Erfolg der HGC.
Gleichzeitig geht es darum, Entscheidungen zu treffen, richtige Prioritäten zu setzen und auch in anspruchsvollen Situationen einen klaren Kurs zu halten. Aber genau dieser Respekt ist auch wichtig – er hilft, die Aufgabe mit der nötigen Sorgfalt und Demut anzugehen.
RW: Man gibt ja einem neuen Chef in aller Regel 100 Tage Zeit, um sich einzugewöhnen und die Dinge bei Bedarf neu aufzustellen. Da der Wechsel zwischen uns fliegend ist und du mitten im Geschäftsjahr als CCM übernehmen wirst, bin ich natürlich neugierig, wo du in den ersten Wochen deine Prioritäten setzt.
DM: Also, ich werde natürlich vom ersten Tag an alles auf den Kopf stellen – nein, natürlich nicht! Zunächst freue ich mich sehr und bin dankbar für deine Einarbeitung und die Übergabe.
Generell ist mir wichtig, genau hinzuhören und zu verstehen: Was läuft gut, wo gibt es Potenzial? Die HGC hat sich in den letzten Jahren sehr erfolgreich entwickelt, und daran haben du und dein Team einen grossen Anteil. Für mich geht es deshalb eher um Evolution als um Revolution: Bewährtes behalten und dort neue Impulse setzen, wo es sinnvoll ist – etwa bei Prozessen, bei der Nutzung von Daten oder bei der Weiterentwicklung unserer Sortimentsstrategien.
Gleichzeitig möchte ich mich rasch in die Themen der Direktion einarbeiten, das zweite Semester 2026 erfolgreich abschliessen und den Grundstein für ein erfolgreiches 2027 legen – auch vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Unsicherheiten, die sich durch die Folgen der gegenwärtigen Kriege ergeben.
DM: So, genug in die Mangel genommen! Jetzt drehen wir den Spiess mal um, und ich stelle die Fragen. Roland, Hand aufs Herz, wie schafft man es eigentlich, wie du, mehr als 30 Jahre bei ein- und demselben Arbeitgeber zu bleiben?
RW: (Lacht) Ja, das frage ich mich wirklich auch... Nein, Spass beiseite. Die HGC ist eine super Arbeitgeberin, bei der es Spass macht zu arbeiten. Der Hauptgrund war aber noch ein ganz anderer, nämlich dass ich mehrere Male die Chance erhielt, neue Funktionen mit neuen Aufgaben und Herausforderungen zu übernehmen.
Spass haben ausserdem die etwas spezielleren Aufgaben gemacht, wie beispielsweise die Leitung der Integration von mehreren zugekauften Firmen in die HGC-Welt.
Sehr reizvoll war natürlich auch der Aufbau des heutigen Category Managements. Beim Start im Oktober 2018 war ich nämlich der einzige Mitarbeitende. Seither hat sich dank unseren sehr guten Mitarbeitenden viel verändert. Das kannst du nun weiterentwickeln.
DM: Was gibst du mir denn als wichtigsten Ratschlag mit, wenn ich in deine Fussstapfen trete?
RW: Das mit den guten Ratschlägen erinnert mich an meine Kindheit. Meine Grossmutter, aber auch meine Mutter, gaben mir auch immer Ratschläge. Die meisten habe ich aber gerade extra nicht befolgt.
Einen Ratschlag gebe ich dir trotzdem: Alles, was du verändern willst, tu das sofort, möglichst im ersten Monat nach unserer Stabübergabe. Das hat den Vorteil, dass alle merken, dass nun der Wind aus einer anderen Richtung bläst.
DM: Und was sollte ich auf jeden Fall nicht tun, wenn ich nicht mit wehenden Fahnen untergehen möchte?
RW: Das hat ja schon wieder mit Ratschlägen zu tun… (lacht) … Das Schlimmste wäre, zu allem, was so gewünscht oder – indirekt –befohlen wird, Ja zu sagen. Das ist zwar meistens anstrengender, als einfach Ja zu sagen. Aber das eigene Gefühl ist immer besser.
DM: Du übergibst mir im Sommer das Category Management, stehst der HGC aber noch bis Ende Jahr für «Spezialprojekte» zur Verfügung. Was muss man sich darunter vorstellen?
RW: Ich gehe erst am 31. Dezember 2026 in den «offiziellen Ruhestand». Ich werde aber ab der Stabsübergabe am 1. Juli 2026 diverse Projekte im Category-Management unterstützen und zu Ende führen. Welche Projekte das sind, werde ich mit meinem neuen Vorgesetzten, dem CCM (lacht), noch besprechen. Ich freue mich schon jetzt.
DM: Ende 2026 wird dann – nach schliesslich 32 Jahren (!) – definitiv Schluss sein mit der HGC. Wird dir da nicht mulmig beim Gedanken, dann plötzlich, ohne dein gewohntes Umfeld dazustehen?
RW: Dass Ende 2026 nach 32 Jahren Schluss ist, ist mir natürlich zu 100 Prozent bewusst, da ich meinen letzten Arbeitstag ja selbst bestimmt habe.
Wenn man auf eine 32-jährige «Geschichte» zurückblickt, ist «mulmig» fast ein zu schwaches Wort. Es ist ein Gefühl, als würde man ein vertrautes Ufer verlassen, um in ein Gewässer zu steuern, dessen Horizont man noch nicht ganz greifen kann.
Die HGC ist für mich mehr als nur eine tägliche Anlaufstelle, sie ist Struktur, Rhythmus und ein soziales Geflecht, das über drei Jahrzehnte hinweg zusammengewachsen ist.
Natürlich schwingt da eine gehörige Portion Respekt vor dem Neuen mit. Es ist ein Abschied mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Das weinende Auge sieht die Routine und die Menschen, die ich sicher vermissen werde. Das lachende Auge sieht die Freiheit, die Zeit, um Dinge zu tun, welche in den vergangenen Jahren zeitweise hintenanstehen mussten.
DM: Der Stabwechsel zwischen uns steht nun in Bälde bevor. Daran hattest du grossen Anteil. Dafür möchte ich dir herzlich danken, wie auch für deine grosse Unterstützung in den letzten Jahren. Ich wünsche dir für deinen wohlverdienten Ruhestand nur das Beste. Geniess die Zeit, die nun allein dir gehört, und lass es dir gut gehen!
RW: Vielen Dank, Damir! Auch dir wünsche ich nur das Beste und vor allem einen guten Start in dein neues berufliches Abenteuer. Ich bin sicher, dass du das sehr gut machen wirst.
Roland Wüthrich
Roland Wüthrich, geboren am 23. Mai 1963, machte nach der Schule zunächst eine Maurerlehre und im Anschluss daran gleich noch eine Ausbildung zum kaufmännischen Angestellten. Am 9. Januar 1995 begann er in der HGC, wo er zunächst in Bern als Sachbearbeiter Verkauf und Einkauf arbeitete, ehe er per April 1998 zum Leiter Verkauf Innendienst und Anfang 2002 zum Leiter Materialwirtschaft, Logistik und Administration befördert wurde. Sein nächster Karriereschritt erfolgte im Januar 2006, als er zum stv. Leiter des Profitcenters Mittelland ernannt wurde, dessen Leitung er nach einer berufsbegleitenden Weiterbildung zum dipl. Betriebsökonom im Juli 2013 ganz übernahm. Per Oktober 2018 wurde er schliesslich als Direktor des neu geschaffenen Category Management in die Geschäftsleitung der HGC gewählt und entwickelte seither das «CM» sukzessive weiter. Am 30. Juni 2026 gibt Roland Wüthrich sein Direktorenamt an seinen Nachfolger Damir Miklec ab, den er im Category Management noch bis Ende des Jahres bei ausgesuchten Projekten unterstützt. Am 31. Dezember 2026 wird Roland Wüthrich schliesslich nach 32 Jahren bei der HGC in Pension gehen und ab dann noch mehr Zeit für seine privaten Interessen haben: Hundesport und Hundezucht, Wandern, Haus- und Gartenarbeit, Kochen und gut essen. Und das alles zusammen mit seiner Frau.
Damir Miklec
Damir Miklec, Jahrgang 1975, ist kroatisch-schweizerischer Doppelbürger und seit dem 1. April 2022 bei der HGC als Category Manager Shop tätig. Seine berufliche Laufbahn begann er mit einer kaufmännischen Lehre bei ABB; er übernahm schon bald diverse Führungsfunktionen im Vertrieb und Key Account Management von Investitionsgütern in der Maschinenindustrie (zuerst bei der ABB, später bei Bombardier und der SBB). Danach bildete sich Damir Miklec weiter zum Betriebswirtschaftler und bekleidete mehrere Leitungsfunktionen im Einkauf und Category Management im Schweizer Retail und Baustoffhandel (bei Coop und der BMS-Gruppe). In seiner Freizeit engagiert er sich als Vorstandsmitglied bei HOPE Christliches Sozialwerk in Baden und lebt seine Leidenschaft für Reisen und Padel-Tennis aus. Damir Miklec ist verheiratet und Vater einer erwachsenen Tochter.